Die größten Rocksongs – Storys zu den Hymnen

Die größten Rocksongs – Storys zu den Hymnen

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00:00:00: Ja, wenn man heute mal bei unserer Rock-Hymne genauer hinhört wird es spannend.

00:00:04: Denn der Refrain klingt eigentlich wie eine Einladung für einen Städtetrip aber in Wahrheit schreitet textdurchgehend Alarmstufe rot.

00:00:12: Mein Name ist Taki Knackstedt

00:00:13: und ich bin Benny Zinke Und Heute geht's um The Clash London Calling Die größten Rock Songs.

00:00:21: Stories zu den Hymnen.

00:00:24: Ihr hört einen Original Podcast von

00:00:27: Radio Bob Deutschlands.

00:00:32: Ja, London Calling.

00:00:33: Wer kennt den Song nicht?

00:00:34: The Clash-Sänger und Gitarist Joe Strummer hat den Song damals in seiner Wohnung in Chelsea geschrieben.

00:00:40: Direkt an der Temse hatte er gewohnt und hatte dabei richtig Panik vor einer Flutkatastrophe.

00:00:45: tatsächlich!

00:00:45: Jahrzehnte später hat man das Ganze als fröhlichen Soundtrack sogar für Olympia und Tourismusvideos hergehalten.

00:00:51: also eigentlich ein völlig absurdes.

00:00:53: So der Treppenwitz, der Musikgeschichte.

00:00:55: Ja und dann gibt's noch diese Studio Stories dazu.

00:00:58: Produzent Guy Stevens war da echt eine Nummer für sich sag ich mal.

00:01:01: Der ist nämlich förmlich eskaliert, Leitern flogen durch den Raum, Stühle knallten gegen die Wände... Und der Wein wurde über das Klavier geschüttet!

00:01:08: Das klingt zwar nach einem typischen Rockstar-Abend aber Toningenieur Bill Price hat er später in einem Interview alles andere als beschönigt.

00:01:17: Pures Chaos tatsächlich.

00:01:18: So klingt auch, ja!

00:01:20: Was den Song so besonders macht?

00:01:21: Er ist zwar Punk aber er sprengt das Genre im Grunde, sobald der erste Ton erklingt.

00:01:27: Sie mischten staccatoartige Gitarren mit ein paar Raggy Wipes und auch Soul-Elementen beim Schlagzeug.

00:01:33: und genau diese drei Punkte die nehmen uns heute mal vor wie aus Weltuntergangsstimmung eine Popkultur Postkarte wurde warum es im Studio mit Guy Stevens ebenso völlig eskaliert ist Wie dieser Song es geschafft hat, alle Genre-Grenzen einfach mal kurz einzureißen.

00:01:48: Und das kann ich bestätigen denn als ich mal gelernt habe dass das Punk ist, hab' ich gedacht... ...das war kein Punk aber natürlich is's der und das klären wir in dieser Folge mal auf!

00:01:57: Genau

00:01:57: um zu verstehen wie London Calling überhaupt entstanden ist muss man wissen, neunzehnneunundsebzig steckte die Band in einer ziemlich zehnen Phase.

00:02:04: also sie hatten sich gerade von ihrem Manager Bernard Rhodes getrennt standen quasi ohne Plan da, ohne Manager kämpften mit Schulden für eine Band.

00:02:13: am schlimmsten ist natürlich einer richtigen Schreibblockade.

00:02:16: Aber wie so oft kommt genau dann der kreative Durchbruch?

00:02:20: Sie hatten ja auch viele frische Einflüsse von ihrer US-Tour damals, du hast gerade schon gesagt Rockabilly, Racky und so weiter und sofort – das alles hat für London Calling eine Rolle gespielt!

00:02:29: Das alles landete am Ende in ihrem Soundmixer und machte eben den Song zu viel mehr als nur einem Standard im

00:02:37: Anführungszeichen.".

00:02:39: Ja, mutige Entscheidung hätte auch alles schief gehen können.

00:02:42: Joe Strummer hat später mal ganz treffen gesagt dass die Welt damals ja voll von diesem ganzen kalte Krieg Blödsinn war Zitat von ihm.

00:02:48: und dann war da eben noch seine ganz persönliche Situation.

00:02:52: Er wohnte damals du hast es gesagt direkt am Ufer der Thames in Chelsea also genau da wo die Zeile London is drowning and I live by the river herkommt.

00:03:02: Und das war dann keine einfache bloße Metapher.

00:03:05: Der Typ hatte echt Angst, dass er ihm im wahrsten Sinne des Wortes die Pude absäuft.

00:03:10: Et dich

00:03:10: auch!

00:03:12: Und Mick Jones hat die Story dann auch noch ein bisschen weitergesponnen.

00:03:15: Er hat nämlich Joe's Rohrtextentwürfe genommen und sie zu einer Art globalen Warnung ausgebaut.

00:03:21: Es ging plötzlich nicht mehr um nur das Hochwasser sondern um das ganze Lebensgefühl Ende der Siebziger also die politische Kälte, die allgemeine Unsicherheit und die totale Erschöpfung auch vom alten Musikbusiness.

00:03:33: Und zudem bin ich in diesem Jahr übrigens noch auf die Welt gekommen.

00:03:36: Ganz

00:03:37: toll!

00:03:39: Ja und dann kam dieser legendäre Moment im Wessex Studio als Produzent Guy Stevens.

00:03:44: Du hast ihn schon erwähnt, wilder Typ der kam dazu.

00:03:47: Und wenn man eben den Berichten vom damaligen Ton Engineer Bill Price Glauben schenken darf Dann war das kein klassisches.

00:03:52: Wir trinken jetzt mal einen spannenden Kaffee und nehmen auf.

00:03:55: Nee, Stevens war der Typ Der die Jungs maximal pushen wollte Notfalls eben durch.

00:04:00: Da ist er wieder der Punk Reines Chaos.

00:04:03: Es gibt diese Geschichten, wie Leitern durchs Studio einmal quer flogen und Stühle durch die Gegend knalten.

00:04:09: Und ja tatsächlich auch Stevens' Drama einfach mal Wein über die Hände und das Klavier geschüttet

00:04:16: hat.".

00:04:16: Und das ist der springende Punkt!

00:04:17: Das war kein sinnloses Gehabe.

00:04:19: dieses Chaos hört man halt auch auf der Aufnahme ne?

00:04:21: Bill Price hat das Studio Ambiente genial eingefangen muss man sagen und statt irgendeinem teuren High-End-Mikro hatte er für Joe's Vocals einfach so ein Standardding genommen weil es diesen dreckigen den der Song brauchte.

00:04:34: Also Joe wollte, dass das Ganze eben in Anführungszeichen wie London klingt!

00:04:39: also in der damaligen Zeit und genau das haben sie glaube ich da auch eingefangen.

00:04:43: Ja, den Song gab es übrigens schon Monate vor dem Release.

00:04:46: die spielten ihn schon Anfang Juli neunundsebzig mal live.

00:04:49: Es ist nicht so dass er irgendwie steril im Studio entstanden ist sondern er ist live auf der Bühne richtig gereift Und das kann man dann wohl als echten Wachstumsprozess bezeichnen.

00:04:58: Wir schauen uns jetzt mal den Text ein bisschen genauer an Denn London Calling beinhaltet im Grunde einen riesigen Haufen Wahnsignale.

00:05:06: Der Titel ist ja schonmal Genial gewählt, ne?

00:05:09: Das ist die klassische Formel tatsächlich der BBC.

00:05:11: This is London Calling also der Satz den jeder aus dem alten Radioübertragung aufs Kriegszeiten kennt von damals.

00:05:18: das schwingt also direkt mal historisch so ein Büschchen schwer mit.

00:05:22: wo

00:05:22: können wir diesen Satz heutzutage her vom ESC?

00:05:25: Die melden sich da auch immer so Berlinis Calling Hamburgs Calling London's Calling.

00:05:30: wenn es zu dieser Punktle vergabe geht weiß ich Tatsächlich ja sagen das auch mal schlimm.

00:05:34: oder Ob ich beziehen, die sich beim ESC nicht auf der Clash stellen würde.

00:05:38: Ich würde sofort Protest schreiben und los schicken.

00:05:40: Na ja gut!

00:05:41: Naja aber der Text er erzählt dabei gar keine richtige Geschichte sondern baut eher so ein Panorama des Untergangs auf.

00:05:48: also da ist alles dabei Krieg, Hunger Drogen, Polizeigewalt Die Angst vor der nächsten Flut Und natürlich auch die Atomkraft.

00:05:54: Also diese Zeile über den Nuclear Error Das war damals eine direkte Anspielung auf den Gau von Three Mile Island im Frühjahr.

00:06:03: Es ist eben dieser Mix aus realen Ängsten und diesem Weltuntergangsgefühl, der den Song so ja keine Ahnung durchdringend macht.

00:06:09: Ja dann kam es schön aber ein paar Jahre später als hätte man die düstere Vorahnung schon dann irgendwie ziemlich deutlich gespürt.

00:06:15: Der Song ist eine ziemliche Abrechnung, vor allem auch mit der Band.

00:06:19: selbst wenn Joe Strummer singt now don't look to us, dann ist es wie ein Schild das sie hochhalten.

00:06:23: Leute erwartet von uns keine einfache Lösung.

00:06:26: Der Clash war neun setzig echt durch den Wind und steckten in der Klampe zwischen dem was die Fans von ihnen wollten, internem Stress und dem Gefühl dass der erste große Punkmoment gerade durch die Finger ran.

00:06:40: Und Joe Strummer hat das später mal so beschrieben, als würde man an einem Abhang abrutschen sich mit den Fingerlägen am Boden festkrallen.

00:06:47: und genau diese Panik hörst du im gesamten Song und vor allem auch im Text natürlich auch raus.

00:06:52: Ja aber musikalisch haben sie es ja sehr extrem clever unterstrichen.

00:06:56: das Ganze also wie schon gesagt die Mischen der Hardrock, Madraggy, Vibes usw.. Und genau diese musikalische Reibung, die macht den Song halt so unruhig und so rastlos irgendwie.

00:07:04: Und für die Nerdster draußen jetzt mal!

00:07:07: Am Ende wenn der Song ausfaded... Also wenn der song abklingt haben sie ein SOS-Signal in Morsezeichen versteckt.

00:07:15: Also das ist doch die Kirche auf der Torte, oder?

00:07:18: Du startest mit der BBC-Anrufung und landest dann im Morsenotruf.

00:07:23: Wenn man den Weltuntergang vertonen will, genau so ... Wir können's auch noch mal einblenden.

00:07:28: Ja klar!

00:07:29: Und achte drauf und jetzt werdet ihr immer wenn ihr diesen Song hört aufs Ende warten.

00:07:37: Tausendmal schon gehört.

00:07:40: Ich

00:07:40: kenne jetzt das Morsa Alphabet nicht.

00:07:42: ich hätte jetzt SOS nicht erkannt aber das werden wir jetzt nicht mehr vergessen.

00:07:47: Kommerziell war das Ding übrigens auch eine klare Ansage.

00:07:49: In Großbritannien hat unsere Rock-Kümmern, die wir heute reden knapp die Top Ten verpasst.

00:07:54: klingt vielleicht erst mal nach ja gar nicht so erfolgreich war für die Band aber trotzdem riesen Erfolg.

00:07:59: Und man sieht ja was draus geworden ist, denn der Song kommt immer wieder aus der Versenkung hoch.

00:08:04: Der Song wird in jeder Dekale ausgepackt und fühlt sich jedes Mal anders an.

00:08:07: also absolut kein Staubfänger.

00:08:09: ich weiß zum Beispiel noch glaube da war das Champions League Finale im Fußball in London vor ein paar Jahren und da lief immer auf dem übertragenen Fernsehsender London Calling nach dem Motto ne?

00:08:18: Ja genau.

00:08:19: London ruft an, hier das Finale kommt in ein paar Wochen.

00:08:22: Richtig, ja!

00:08:23: Laut Z-List FM haben sie den Song auf jeden Fall so knapp zweiundundsechzehn Mal selber live abgefuckelt.

00:08:28: aber über siebenhundert Auftritte von anderen Künstlern sind dort auch dokumentiert.

00:08:33: ob jetzt Bruce Springsteen oder auch The Pokes der Song ist einfach ein kleiner Wanderpokal des Rocks Und dieses Gewicht hat sich bei den Grammys tatsächlich, zwei Tausend Dreidern entladen.

00:08:44: Als Springsteam zusammen mit Dave Grohl und der Rest der Riege das als Tribut für den verstorbenen Joe Strummer gespielt haben.

00:08:51: Spätestens da war klar, dass ist nicht einfach nur ein Song, das ist eben ein heiliges Erbe.

00:08:55: Man muss dazu sagen, Joe Stummer ist ja ein Jahr davor gestorben, Zwei-Tausendzwei.

00:08:59: Herzinfarkt?

00:09:01: Ja irgendwie ein angeborener Nichtbekannter Herzfehler oder sowas war das?

00:09:04: ne

00:09:05: Na ja und wie du sagst, also es ist ja so wenn du... Wir haben mal Bands gefragt.

00:09:09: Wer sind denn so eure Vorbilder gewesen?

00:09:11: Und gerade jede Punkband!

00:09:13: Also auch hier in Ingo von den Dunas hat der Joe Strummer sogar glaube ich tätowiert auf dem Körper.

00:09:17: Ja was jetzt du hast eben gesagt das ist nicht nur ein Song Es ist ein heiliges Erbe.

00:09:20: Das wurde aber auch ein bisschen absurd.

00:09:22: Ich habe sie auch schon angedeutet.

00:09:23: Der Song wurde dann auch als Soundtrack für Olympia-Werbung oder British Airways Spots.

00:09:28: Ja, wie soll man das dann?

00:09:29: Verballert oder zu Rate gezogen und also so ein bisschen die fröhliche Tourismus-Hymne für eine Stadt, die im Text eigentlich gerade absäuft.

00:09:38: Das ist schon ne wilde Nummer aber wieder so ist.

00:09:40: der geneigte Konsument macht sich darüber wahrscheinlich keine Sorgen.

00:09:43: Richtig!

00:09:44: Das National Public Radio eines der wichtigsten Medienhäuser in den USA hat das mal wunderbar auf dem Punkt gebracht.

00:09:50: Die haben aus einem apokalyptischen Notruf einen Werbespot für den nächsten London Trip gemacht.

00:09:54: ja kann man sich nicht ausdenken wie dass manchmal Verkehr läuft und die Leute nicht verstehen, was

00:09:59: es da geht.

00:10:00: Es ist bei so vielen Songs so.

00:10:02: Also mein Gott ich bin jetzt auch nicht jedes Mal irgendwie so in die Texte, in die Lyrics guckt usw.

00:10:09: Und sich da irgendwie krasse Gedanken macht.

00:10:11: aber ab und zu höre ich dann schon mal genauer hin?

00:10:14: I don't like Monday is von den Boomtown Rats fällt mir da gerade noch ein.

00:10:17: Da geht's um einen Schulmassacker und Leute.

00:10:19: so oh ja ich finde den Modor auch blöd wenn man wieder an die Arbeit muss.

00:10:21: I don' like Monday's.

00:10:22: ne da gehts um ein bisschen etwas anderes.

00:10:24: Ja

00:10:24: genau, ja selbstverständlich na gut Aber zum Glück geht's halt auch anders.

00:10:29: Wollen wir mal die andere Seite hier beleuchten.

00:10:32: in Filmen,

00:10:32: z.B.,

00:10:33: wie Billy Elliot wurde der Song genau da eingesetzt wo er eigentlich hingehört nämlich Als knallharte Untermalung für Streiks und Polizeigewalt.

00:10:42: Und in dem Jahr auch noch ein anderes Beispiel haben die Jungs von der Band Beton aus der Ukraine den Song zu Kyiv Calling umgeschrieben, also mit Segen der restlichen Clash-Mitglieder natürlich ne?

00:10:54: Also ein echtes Protest und Solidaritätsstück genauso wie Musik eben sein sollte wenn die Welt um einen herum brennt!

00:11:02: Ja wir haben es schon gesagt im Dezember zwei tausend zwei.

00:11:05: Der große Schock damals ist er Gestorben Joe Strummer, einem wohl angeborenen Herzfehler.

00:11:11: Aber dieses musikalische und kulturelle Vermächtnis von Beclash das ist unermesslich aber auch glaube ich schon mehrfach betont.

00:11:17: Und nicht zuletzt weil ihre bemerkenswerte rebellische Haltung und die Musik das Leben von so vielen Millionen Menschen auf der ganzen Welt gepreckt und verändert haben.

00:11:26: Heute scheint das alles ein bisschen weit entfernt, ne?

00:11:28: Ich meine überleg mal.

00:11:29: aktiv war in The Clash bis nineteen hundert sechsten achtzig.

00:11:32: Das ist jetzt auch nicht wirklich so.

00:11:35: zehn Jahre und wir hatten es ja auch immer das Thema Bands die gar nicht so lange existiert haben aber in dieser Zeit irgendwie wahnsinnig viel erreicht haben.

00:11:42: und wenn du fünfzig Jahre später jetzt immer noch über diese Band sprichst und immer noch Leute sich auf diese Band beziehen dann kann man sagen Man hat's geschafft.

00:11:51: Inspiration für viele.

00:11:53: Und deswegen Können wir sagen, ist diese Rock-Hymne natürlich auch absolut hier.

00:11:56: Jetzt endlich muss man sagen verdient in dieser Reihe gelandet.

00:11:59: Definitiv!

00:12:23: Deutschlands Rock Audio.

Über diesen Podcast

Wir können sie alle mitsingen, aber wissen wir wirklich immer worum es geht und wie sie entstanden sind? Im RADIO BOB! Original Podcast "Die größten Rocksongs – Storys zu den Hymnen" nehmen Euch die BOB-Moderatoren mit auf eine musikalische, textliche und z.T. historische Reise. Ihr erfahrt alle Fakten und persönliche Anekdoten zu den Rocksongs, die die Rockwelt geprägt haben.

Jede Woche eine neue Folge - jede Woche eine neue Hymne.

von und mit RADIO BOB!

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