00:00:00: Ein kreischendes Gitarrenriff und Paul McCartney's absolut rücksichtsloser Gesang lassen bis heute die Boxen erzittern, wenn Helter Skelter läuft.
00:00:10: Aber wusstet ihr dass die Beatles diesen Song nur aufgenommen haben um der lautesten Band der Welt eins auszuwischen?
00:00:16: Und das ausgerechnet dieses unschuldige Lied über eine Jahrmarkt-Rutsche zur gedanklichen Vorlage für einen der grausamsten Massenmorde der US Geschichte wurde?
00:00:26: Das klären wir heute alles!
00:00:28: Ich bin Lara Bansen.
00:00:30: Und ich bin Carsten Weyers und wir tauchen tief ein in die dunkle und auch furiose Geschichte von Herrters Gelter von den Beatles!
00:00:51: Wir schreiben das Jahr.
00:00:54: Die Beatles sind längst keine braven Jungs in Anzügen mehr, sie haben psychodälische Meisterwerke geschaffen waren in Indien und durchleben gerade eine Phase, in der die Band intern komplett auseinander brecht.
00:01:06: während der Aufnahmen zum legendären weißen Album herrscht im Studio oft sehr eisige Stimmung und jedes Mitglied kocht irgendwie sein eigenes Süppchen.
00:01:15: Das vertraute wir gefühlt er früheren Jahre scheint völlig verflogen.
00:01:19: Ja, genau in dieser hochexplosiven gereizten Atmosphäre ließ Paul McCartney ein Interview.
00:01:23: In einer Musikzeitschrift – das sein kreativen Airguides triggert!
00:01:28: Pete Townsend, der Gitarist von The Who, schwärmt darin nämlich von ihrer neuesten Single I Can See For Miles und bezeichnet sie als das lauteste, dreckigste und rohste Stück Musik, das jemals aufgenommen wurde.
00:01:41: McCartny liest es und denkt sich «das können wir besser, wir zeigen ihnen was wirklich Lautes».
00:01:47: Er will der Musikwelt beweisen, dass die Beatles nicht nur wunderschöne Popmelodien beherrschen sondern auch die härteste Band des Planeten sein können.
00:01:55: Und genau mit diesem unbedingten Willen zur totalen Eskalation marschiert die Band schließlich ins Studio um Musikgeschichte neu zu schreiben.
00:02:04: Die Sessions beginnen im Herbst in den Abbey Road Studios in London und sie gleichen von der ersten Sekunde einem unkontrollierten Rauschhaften-Experiment.
00:02:15: Um diesen unfassbar dreckigen physisch spürbaren Sound hinzubekommen, brechen die Beatles und ihre Crew mit.
00:02:23: sämtlichen eisernen Regeln der damaligen Studiotechnik.
00:02:27: Die Tontechniker sind eigentlich penibel darauf bedacht Verzerrungen zu vermeiden und einen sauberen Klang zu garantieren, doch das wird diesmal komplett ignoriert!
00:02:35: Die Band zwingt die Techniker dazu, die Pegel- und Vorverstärker der Mischpulte bis weit in den roten Bereich hineinzudrehen.
00:02:43: Also man kann sagen die Boxen glühen, die Tonbänder verzerren gewollt.
00:02:47: es ist die Geburtsstunde des modernen Overdrive Sounds.
00:02:52: Das akustische Chaos gipfelt dann am neunten September, in einer legendären Marathon-Sitzung, die von einer fast schon manischen Energie getrieben wird.
00:03:02: Die Band schaltet das Licht im Studio fast vollständig aus um so eine düstere hypnotische Atmosphäre zu kreieren und jammt sich über Stunden in ein regelrechten Rausch.
00:03:13: In dieser Session nehmen sie achtzehn Takes des Songs auf je mit einer Länge von ca.
00:03:18: fünf Minuten.
00:03:19: Bei vorherigen Sessions entstanden schon monumentale Version der längste zusammenhängende Take-Dought, sage und schreibe.
00:03:29: Die XXL Fassung ist ein einziger Ohren betäumener Teppich.
00:03:34: aus Feedback schleifen und scheppernen Rhythmen.
00:03:36: Das Ganze ist körperlich so anstrengend das Ringo Star am Ende dieses brutalen Takes sogar völlig erschöpft seine Drumsticks durch den Raum pfeffert und entnervt durch das Studio brüllt I've got blisters on my fingers.
00:03:50: Also ich hab Plasen an den Fingern!
00:03:52: Dieser Ausbruch von purem körperlichem Schmerz fängt die Stimmung so perfekt ein, dass die Band ihn für die finale Albumversion auf dem Band lässt.
00:04:01: Die Rollenverteilung geht im Studio auch komplett quer, was dem Track seine rohe ungeschliffene Kante verleiht.
00:04:10: George Harrison hat an diesem Tag wenig Lust auf konventionelle Gitarrenarbeit also schnappt er sich stattdessen einen brennenden Aschenbecher setzt ihn sich wie ein Hut auf den Kopf und rennt damit Wildtanzen durch die Aufnahmeraum.
00:04:24: da der reguläre Bassist Paul McCartney am Klavier und an der Leadgitarre sitzt übernimmt kurze Hand John Lennon Sektseitigen Bass und da lennen das Instrument auch überhaupt nicht beherrscht.
00:04:35: drischt er vollkommen ungelenk und mit roher Gewalt auf die dicken Seiten ein.
00:04:39: Und dadurch entsteht ein unfassbar unpräziser Bass-Sound.
00:04:43: Ja, um das Chaos perfekt zu machen greifen sich Lennen!
00:04:46: Und der treue Tourmanager Evans im späteren Verlauf der Session noch eine Trompete und das Mundstück eines Saxophons – und ohne überhaupt spielen zu können blasen sie einfach in die Instrumente hinein was im Hintergrund des Tracks als skurriles Hupen zu hören
00:05:01: ist.
00:05:01: Echt schräg?
00:05:04: Also wenn ich die ganzen Sachen gespielt hätte, wäre dabei nicht so ein Song rausgekommen.
00:05:09: Weiß man nicht!
00:05:11: Vielleicht doch!
00:05:13: Doch wie wird aus diesem rücksichtslosen Ohren betäumten im Studio Krieg nun eigentlich das präzise messerscharfe Rockmeisterwerk, dass wir vom Album kennen?
00:05:23: Das ist die eigentliche Genialität dieser Sessions.
00:05:26: Die fast ausschließlich auf das Konto des Blutjung-Assistenten Chris Thomas geht!
00:05:31: Als er aus dem Urlaub zurückkommt findet er auf dem Studiotisch nur eine kleine Notiz von Hausproduzent George Martin.
00:05:39: Darauf steht, lieber Chris ich hoffe du hattest einen schönen Urlaub!
00:05:43: Ich mach mich jetzt auf den Weg in Main.
00:05:45: macht dich für die Beatles bereit.
00:05:47: Neil und Maul wissen dass du vorbeikommst.
00:05:50: So bleibt er damals erst einundzwanzigjährige Thomas alleine an den Reglern zurück.
00:05:56: Er realisiert schnell wenn er jetzt versucht die Beatles zu banding oder zur Vernünft zu bringen ist der Song tot.
00:06:03: Anstatt das Chaos also zu bremsen Kanalisiert es.
00:06:07: Thomas lässt die Tonbänder einfach ununterbrochen laufen und nimmt jeden noch so dreckigen Fehler, jedes Feedback und jeden hysterischen Schrei auf.
00:06:17: Ja am nächsten Tag als der Rauch sich dann sprich wirklich gelegt hat und die Bandmitglieder erschöpft aber sichtlich ernüchtert ins Studio zurückkehren beginnt die eigentliche Arbeit im Schneideraum.
00:06:28: aus den stundenlangen Zehen Jam Sessions isoliert Chris Thomas die absolut besten aggressivsten Fragmente.
00:06:36: Um die Nummer radio tauglich zu machen, verpassen McCartney und Thomas dem rohen Lärm im Prozess eine klare Struktur.
00:06:43: Die schneiden die ausufernden Gitarrenfeedbacks rigoros zusammen und platzieren sie strategisch genau zwischen McCartneys Gesangsfrasen.
00:06:52: Und so entsteht dann dieses faszinierende Call-and-Response Spiel zwischen Pauls Stimme.
00:07:00: Genialste Geniestreich passiert im finalen Mix und er betrifft das berüchtigte Fake-Ending.
00:07:07: Wenn man den Song hört, blendet er nach etwa dreieinhalb Minuten komplett aus – die Musik!
00:07:12: wird leise, das Stück scheint vorbei zu sein.
00:07:15: Doch das war kein Fehler sondern pure Absicht!
00:07:17: Chris Thomas dreht den Masterfader am Mischpult langsam ganz nach unten nur um ihn wenige Sekunden später als der Hörer denkt, dass Song sei zur Ende wieder voll hochzureißen.
00:07:29: Plötzlich brandet die Musik mit doppelter Gewalt wieder auf, getragen von Ringo's scheppernen Beckengewitter, Lennens hugenden Saxophon und eben jenem magerschütterndem Schrei.
00:07:41: I've got blisters on my fingers!
00:07:43: Erst durch diesen genialen Produktions-Trick im Mixdown wird das unkontrollierte Chaos der Sessions nicht als Lärm-Müll weggeworfen, sondern eben in eine perfekte inszenierte dramatische Rock-Sinfonie verwandelt.
00:07:59: Die Beatles beweisen hier dass sie die Anarchie im Studio wie keine zweite Band ihrer Zeit als kreatives Werkzeug nutzen konnten.
00:08:07: Das klingt aber wirklich nach harte Arbeit.
00:08:10: Das Ganze zusammenzuschneiden muss man sagen?
00:08:13: Tat bzw.
00:08:14: tut mir ein bisschen
00:08:14: leid!
00:08:16: Wenn man sich den Song heute anhört, dann klingt er wie der absolute Prototyp des Hard Rock oder des frühen Punk.
00:08:23: Aber worum geht es ja nun eigentlich im Text?
00:08:25: Der Begriff Helter Skelther ist in britischen Englisch der Name für eine ganz klassische rote, spiralfürmige Rutsche die man auf jeden traditionellen Jahrmarkt findet.
00:08:36: Mercatny nutzt diese Rutsche als eine simple Metapher für den Aufstieg und Fall.
00:08:41: Also dieses emotionale Auf- und Ab im Leben oder in einer turbulenten Beziehung.
00:08:46: Zeilen wir, when I got to the bottom i go back to top of this slide beschreiben eigentlich nur den harmlosen Spaß dem man auf einer Kirmes hat wenn man unten ankommt und sofort wieder hoch rennt.
00:08:58: Doch am anderen Ende der Welt!
00:09:00: Im Sonnigen Kalifornien sitzt ein psychopathischer Sektenführer namens Charles Manson Und hört genau diesen Song.
00:09:07: Menzen ist völlig besessen vom weißen Album der Beatles und glaubt felsenfest, die Band spreche durch geheime kodierte Botschaft direkt zu ihm um ihn als Propheten zu instruieren.
00:09:20: Also er mis versteht halt das Gelder komplett.
00:09:23: für ihn ist der Song keine Rutsche sondern dass Kotwort für einen bevorstehenden apokalyptischen Rassenkrieg in den USA an dessen Ende er die Weltherrschaft übernehmen will.
00:09:34: also Im August neunundsechzig stiftet er seine treuen Anhänger, die Mansen-Familie dazu an.
00:09:41: Die hochschwangere Schauspielerin Sharon Tate und mehrere andere Menschen in den Hügeln von Las Angeles bestialisch zu ermorden.
00:09:49: An den Wänden der Tatorte hinterlassen die Mörder mit dem Blut ihrer Opfer.
00:09:52: die Worte Hertha Skerter – das war sogar falsch geschrieben noch!
00:09:57: Für Die Beatles ist das ein unvorstellbarer psychologischer Schock, Paul McCartney betont immer wieder auch in Interviews wie entsetzt und angewidert er darüber war.
00:10:06: Und es dass sein Song über eine harmlose Vergnügungsrutsche mit solchen unaussprechlichen Kräueltaten in Verbindung gebracht wurde.
00:10:16: Ja und am Ende steht somit einen Song der als lauteste Kampfansage an The Who begann und als einer der kontroversisten dunkelsten Songs der gesamten Pop-Geschichte endete.
00:10:28: Halter Skelter bewies der Welt, dass die Beatles nicht nur geniale Poeten waren sondern auch in der Lage waren, Die Hard-Histiz erstörerische Musik ihrer Zeit zu schaffen.
00:10:37: und Bands wie Motley Crew, You Too, Aerosmith oder Oasis haben den Song später voller Erfurcht gekauert.
00:10:44: Und Musikwissenschaftler sind sich einig Ohne diesen Track gebe es den Heavy Metal In seiner eigentlichen Form vielleicht gar
00:10:52: nicht.
00:10:52: Ein faszinierendes Meisterwerk das uns zeigt wie eng Genialität, jugendlicher Ehrgeiz und tragische Missverständnisse in der Rockmusik beieinander liegen können.
00:11:03: Wenn dieses finale Schlagzeugbreak einsetzt, spürt man es doch einfach immer noch – Es ist der pure ungezähmte Rock'n'Roll!
00:11:21: Und
00:11:23: die
00:11:24: gewalte Ladung an Rocksongs gibt's nonstop in den über-sechzig Rockstreams.
00:11:30: In der App und auf radiobob.de.
00:11:33: Radio Bob, Deutschlands Rockradio.